Wie funktioniert die Börse?


Um alle Abwicklungen um die Börse zu verstehen, braucht man wahrscheinlich mehrere Jahre Arbeitserfahrung als Börsenmakler. Ein Anleger muss nur ein paar Abläufe der Börse kennen um seine Investitionen erfolgreich tätigen zu können. Der wichtigste Ablauf ist sicher die Abwicklung einer Kauf- oder Verkaufsorders.

Nehmen wir an Sie haben sich für einen Titel XY entschieden und möchten 500 Stück davon kaufen. Sie können nun über Ihren Bankberater oder direkt über das Internet eine Kauforder an die Börse senden. Sie haben die Wahl diese Order mit einem Limit oder bestens zu platzieren.

Orderbuch

Wenn ihre Order bei der Börse eintrifft, kommt sie in das Orderbuch des Titels. In diesem Orderbuch werden alle Kauf- und Verkaufsorder aufgelistet. Auf der rechten Seite im Orderbuch werden alle Verkaufsorder und auf der linken Seite alle Kauforder dem Preis nach aufgelistet. Dieses Buch kommt dank den Order zu Stande die mit einem Limit aufgegeben wurden. In diesem Fall gibt der Auftraggeber den Preis an, zu welchem er einverstanden ist seine Titel zu kaufen respektive zu verkaufen.

Damit eine Transaktion stattfinden kann, muss es einen Käufer geben der einverstanden ist den Briefkurs zu zahlen. Oder einen Verkäufer geben der einverstanden ist zum Geldkurs zu verkaufen. Eine Bestens Order wird jeweils zum besten möglichen Kurs gehandelt, sobald sie bei der Börse ankommt.

Nehmen wir an folgendes Orderbuch besteht bevor Ihr Kauforder eintrifft:

Stück

Geldkurs

Briefkurs

Stück

25.40

100

25.30

200

25.20

100

25.10

500

100

25.00

200

24.90

300

24.80

100

24.70

Bestens Order

Für den Kauf, entscheiden Sie sich die 500 Stücke bestens zu platzieren. Sobald Ihr Auftrag eintrifft, wird Ihr Order mit den 500 billigsten Stücken, welche zu diesem Zeitpunkt im Orderbuch offeriert werden, ausgeführt. Der Kaufpreis wäre somit 25.10. Wenn zum Beispiel in dieser Situation nur 400 Stücke zu diesem Preis offeriert werden, so würden 400 Stücke zu 25.10 gehandelt und 100 Stücke zu 25.20.

Stück

Geldkurs

Briefkurs

Stück

25.40

100

25.30

200

25.20

100

25.10

500

100

25.00

200

24.90

300

24.80

100

24.70

Nach der Transaktion, verschwinden die gehandelten Stücke aus dem Orderbuch. Dieses sieht nun so aus.

Stück

Geldkurs

Briefkurs

Stück

25.40

100

25.30

200

25.20

100

100

25.00

200

24.90

300

24.80

100

24.70

Limit Order

Bei einer Limit Order entscheiden Sie zu welchem Preis Sie Ihre Titel kaufen wollen. Sagen wir Sie sind bereit 500 XY zu 24.90 zu kaufen. Nach Ihrem Auftrag sieht das Orderbuch folgendermassen aus:

Stück

Geldkurs

Briefkurs

Stück

25.40

100

25.30

200

25.20

100

25.10

500

100

25.00

700

24.90

300

24.80

100

24.70

Damit die Transaktion ausgeführt werden kann, müssen nun zuerst die 100 Stück zu 25.00 gehandelt werden. Sie gehen somit davon aus dass der Preis noch sinken wird. Wenn mehrere Order zum gleichen Preis aufgegeben werden, so wird immer die zeitliche Reihenfolge berücksichtig. Wird eine Limit Kauforder über dem Briefkurs eingegeben, so wird der Order bestens ausgeführt.

Wie verändert sich der Wert eines Titels ?

Wenn ein Titel gesucht wird, so bedeutet das, dass mehr Personen den Titel kaufen möchten als es Verkäufer hat. In solchen Situationen, wird der Titel mehrheitlich zu Briefkurs gehandelt. Die Verkaufsangebote verschwinden mit jeder Transaktion die so gehandelt wurde. Die billigsten Angebote fallen weg und der Titel wird somit teurer. Wenn der Titel im Gegensatz nicht gesucht ist, wird er meistens zu Geldkurs gehandelt. Der Titel verliert an Wert.

Ein Orderbuch kann sehr dynamisch sein. Es können jederzeit neue Kauf- und Verkaufsorder im Orderbuch eintreffen und der Wert des Titels kann sehr schnell variieren. Es gibt aber auch Titel die nicht oft gehandelt werden. Man spricht auch von illiquiden Märkten. Bei der Wahl der Titel die Sie kaufen möchten, ist es sehr wichtig dass diese eine gewisse Liquidität vorweisen.

Orderbuch mit Market Maker

Bei Derivatprodukten ist es meistens so, dass ein Finanzhaus den theoretischen Wert eines Produkts abbildet und sowohl einen Geld- wie auch einen Briefpreis anbietet. Man nennt dieses Finanzhaus den Market Maker. Der Market Maker verdient sein Geld mit dem Spread, der Differenz zwischen den beiden Preisen. In solchen Fällen ist es immer sehr wichtig Ihre Aufträge Limitiert zu platzieren. Wenn nur wenige andere Teilnehmer Aufträge im Orderbuch platziert haben und der Market Maker seine Preise nicht erneuert hat, kann es vorkommen, dass Sie bei einer bestens Order einen für Sie sehr schlechten Preis erhalten. In dieser Hinsicht sind auch Stopp Loss Aufträge (Aufträge die als bestens Order aktiviert werden sobald ein gewisser Preis unterschritten wird) bei solchen Märkten nicht unbedingt angepasst.

Orderbuch Analyse

Eine genaue Betrachtung des Orderbuchs kann aufschlussreich sein wie sich ein Titel in den nächsten Minuten bis Stunden entwickeln wird. Mit der Relation zwischen Kauf- und Verkaufsorder kann man sehen ob ein Titel eher gesucht wird oder nicht. Grosse Positionen im Order Buch deuten auf eine Resistenz hin, ein Hindernis dass nur schwer durchbrochen werden kann. Auch kann es interessant sein zu sehen ob die Transaktionen eher im Geld oder im Brief stattgefunden haben. Achten Sie bei der Wahl einer Online Bank darauf, dass Sie Einsicht haben auf das Orderbuch und die bezahlten Preisen. Diese Informationen können sehr hilfreich sein.